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Traumpartner

Traumpartner

Sympathischerweise steht der Mann von Angela Merkel so gut wie nie im medialen Rampenlicht. Tatsächlich kommt Joachim Sauer in der Öffentlichkeit sogar so selten vor, dass ihn ein Kabarettist mal „das Phantom der Uckermark“ nannte. Nun ja, es gibt doch wesentlich schlimmere Spitznamen.

Da einem die Leute ja immer so schnell Musiker-Klischees um die Ohren hauen, möchte ich mir jetzt auch mal ganz klischeehaft vorstellen, wie der Alltag als Ehepartner eines Staatschefs so abläuft. Müsste doch ein ganz entspanntes Leben sein. Na gut, ab und zu mal eine Dienstreise, aber ansonsten bleibt sicher noch Zeit um sich finanziell sorgenfrei um sein Privatleben zu kümmern. Klingt also für viele Musiker ganz interessant.

Und wenn man mal nach Frankreich fährt, kann man sogar eine Songwriter-Kollegin treffen, die auch mit einem Staatschef verheiratet ist. Wäre das nicht cool? Die Ehepartner müssen sich über Ratifizierung von EU-Verträgen und den Ärger mit dem Wahlvolk unterhalten, während man selber mit Carla Bruni über Handwerkliches plaudert: warum etwa französische Frauen immer dermaßen nah man am Mikro singen, dass sie dabei immer so lolitahaft-obszön klingen. Selbstverständlich würde man – ganz staatsmännisch-diplomatisch –  nicht mit Lob sparen: „Toller Reim, den Sie da auf Comme si de rien n’etait verwenden; tu es ma cheri/tu es mon orgi!“ Ich wüsste nicht mal, wie ich das gescheit auf Deutsch sagen würde. Schon gar nicht, wie ich das der Öffentlichkeit erklären würde. Mit so einem Text würde ich mich als Staatschef-Ehepartner jedenfalls nicht zu Beckmann trauen; Erinnerungen werden wach an den verliebt im Pool planschenden Scharping.

Beim Staatsbesuch in Italien käme dann womöglich Berlusconi persönlich auf einen zu, ließe die politischen Tagesgeschäfte gleich unter den Tisch fallen und würde ausschließlich über Musik sprechen wollen. Hat doch der singende Silvio selbst einen Song rausgebracht, der auf Deutsch so viel wie „Gut, dass es Silvio gibt“ heißt. Wie mir eine in Italien lebende Freundin berichtete, ist der Titel keineswegs ironisch gemeint. Aber wie jeder Songwriter weiß: Das Texten ist eben immer das Härteste am Liederschreiben.

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