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Sitcom und Songwriting

Sitcom und Songwriting

Was wäre das Leben ohne Seinfeld! Und jetzt auch noch auf DVD! Und seit Ende letzen Jahres endlich: komplett! Eine weitere großartige zivilisatorische Errungenschaft des DVD-Zeitalters. Davon hätte ich damals nicht zu träumen gewagt, an jenen manischen Montagen, als ich die Serie in mühseliger Kleinarbeit auf 18 VHS-Kassetten archivierte. Und dann immer das nervige Spulen, wenn ich mal wieder jemandem meine Lieblingsfolgen vorspielen wollte. Ist „Die Wurstschneidemaschine“ auf derselben Kassette wie „Der Frogger“?  Wo finde ich die Szene, in der Kramers Vorname enthüllt wird? Und in welcher Folge feiert Georges Vater noch mal „Festivus“ statt Weihnachten?

Als technisch-behinderter Mensch kann ich nicht realistisch beurteilen, wie nahe wir dem  Ende des DVD-Zeitalters bereits gekommen sind. Wie auch immer das Speichermedium der Zukunft heißen wird – voller Gier träume ich jetzt von einer Ära, in welcher der komplette Seinfeld  auf einer einzigen Disc Platz findet. Dann könnte man mit nur einem Knopfdruck  von den frühen Larry David-Perlen wie „Der Wettbewerb“ zu den späten Glanzlichtern wie „Kramers Talkshow“ wechseln.

Muss man auf einem Liedermacher- und Songwriter-Blog über „Seinfeld“ schreiben? Unbedingt. Denn aus dem reichhaltigen Bonus-Material erfährt man, dass Sitcom-Autoren oft ein ähnliches Problem haben, wie wir Liederschreiber: Alles beginnt mit einer ganz netten Idee, die aber leider nicht ausreicht und irgendwann nach dramaturgischer Steigerung verlangt. So sind für mich die Texte für zweite Strophen oft die Hölle. Zu wenig Entwicklung, kaum Unterschiede zur ersten Strophe, und meine vermeintlich so clevere Idee verlangt nach einer cleveren Ausführung. Doch die Audiokommentare der DVD-Box bieten Tröstliches: Selbst die Meisterschreiber von Seinfeld bekennen, im zweiten Akt hart gegen das Stagnieren der Folge ankämpfen zu müssen. Tja, zweite Strophen, zweite Akte: in Wirklichkeit viel härter als ein starker Einstieg. Seinfeld-Fans denken jetzt sicher an George und den „Abgang auf dem höchsten Niveau“: Wann immer George eine gute Pointe gelungen ist, fürchtet er, den guten Eindruck wieder zu vermasseln und verlässt sofort den Raum. Wäre das vielleicht auch was für Liedermacher?

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