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Kollege Berlusconi

Anlässlich eines USA-Besuchs bei George W. Bush hat Silvio Berlusconi es wohl buchstäblich so richtig krachen lassen: Während seines Toasts soll das Pult zusammengebrochen sein. Ein erfahrener Entertainer wie er lässt sich natürlich nicht beirren und geht mit einer nonchalanten Geste darüber hinweg.

Instabile Pulte und rutschige Parkette: Für tourende Musiker bietet das Leben noch ganz andere böse Überraschungen. Da wird etwa der Schlagzeuger von der piccoloseeligen Mutter der Braut sexuell belästigt. Oder man spielt auf einer Trauungszeremonie mit Blick zum Publikum und während sich die Braut mit dem Gesäß in ihrem Stuhl verkeilt hat, muss man mühsamer als die römischen Soldaten in „Life of Brian“ das Lachen unterdrücken. Über ähnlich launige Anekdoten dürfte auch Kollege Berlusconi verfügen, der sein politisches Handwerk als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen gelernt hat. Seine Karriere als Musiker verfolgt er nach wie vor weiter, zur Zeit arbeitet er gerade an seiner dritten Platte, die pünktlich zu Weihnachten erscheinen soll.

Die Geburt des Populisten aus dem Geiste der Musik; zwischen den Berufen Politiker und Musiker muss man nicht lange nach Parallelen suchen. Auf Messen, Stadtfesten und vor Verbänden lernen beide die Bedürfnisse eines breiten Publikums kennen und verinnerlichen die Lektion: Hits, Hits, Hits. Das Publikum feiert sein eigenes Gedächtnis. Unser „I will survive“ entspricht dem „Mehr soziale Gerechtigkeit!“ eines Politikers, unser „I feel good“ wird zu „Mit uns gibt es keine Erhöhung der Mehrwertsteuer!“ Die Songs wie die Slogans hat man schon oft gehört, man erkennt sie sofort und kann ohne große Anstrengung gleich mittanzen.

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